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Antigen- & Schnelltests

Elektrochemische Sensoren: Labordiagnostik direkt am Krankenbett

Was diese Verschiebung konkret bedeutet, lässt sich derzeit an einer Meldung von PR Newswire ablesen: Das US-Unternehmen BRAINBox Solutions hat mit dem schwedischen Diagnostik-Hersteller Prolight…

Elektrochemische Sensoren: Labordiagnostik direkt am Krankenbett

Wie das Fachportal Bioengineer.org in seiner aktuellen Meldung schreibt, bringen günstige elektrochemische Sensoren labortaugliche Diagnostik direkt dorthin, wo sie gebraucht wird — in die Hausarztpraxis, die Ambulanz oder im besten Fall ans Krankenbett. Für uns, die wir uns seit Jahren mit PCR, Antigentests und labormedizinischer Qualität beschäftigen, ist das mehr als eine technische Randnotiz. Denn überall dort, wo ein Ergebnis innerhalb weniger Minuten aus einem winzigen Probenvolumen entsteht, verschiebt sich auch die Frage, was eine „schnelle" Testung überhaupt leisten kann und wo ihre Grenzen sauber dokumentiert sind.

Ein Beispiel, das zeigt, wohin die Reise geht

Was diese Verschiebung konkret bedeutet, lässt sich derzeit an einer Meldung von PR Newswire ablesen: Das US-Unternehmen BRAINBox Solutions hat mit dem schwedischen Diagnostik-Hersteller Prolight Diagnostics eine Liefervereinbarung für das Point-of-Care-Gerät Pyros® unterzeichnet. Gemeinsam soll die Plattform künftig Tests zur Diagnose und Prognose von Gehirnerschütterungen (mTBI) ausliefern — also ein Anwendungsfeld, das auf den ersten Blick wenig mit Infektionsschutz zu tun hat, bei dem es aber technisch um genau dasselbe Prinzip geht: einzelne Moleküle aus einem Tropfen Blut erkennen, noch bevor das Probengefäß ein Labor überhaupt erreicht hat.

Laut Mitteilung ist der Einsatz in Krankenhauslaboren, Arztpraxen, Rettungswagen, Notaufnahmen, Pflegeheimen und sogar in Sportstätten vorgesehen. Prolight beschreibt seine Technologie so, dass sie Biomarker im einstelligen Nanogramm-pro-Liter-Bereich messen kann — also Konzentrationen, die mit klassischen Schnelltests bislang kaum erreichbar sind. In einer Machbarkeitsstudie mit 260 Patientenproben aus der HeadSMART-II-Zulassungsstudie von BRAINBox wurden drei entsprechende Assays auf der Psyros-Plattform geprüft; die Ergebnisse werden in der Mitteilung als durchweg überzeugend dargestellt. Die Markteinführung steht, soweit aus der Quelle hervorgeht, noch aus.

Was heißt das für unsere Diagnostik?

Für uns ist vor allem das Prinzip interessant, nicht das konkrete Anwendungsfeld. Eine Point-of-Care-Plattform — also ein Gerät, das direkt am Ort der Behandlung eingesetzt wird, ohne den Umweg über ein Zentrallabor —, die labortaugliche Empfindlichkeit mit der Geschwindigkeit eines Schnelltests verbindet, ist genau die Richtung, in die sich auch die Infektionsdiagnostik seit Jahren entwickelt. Antigen-Schnelltests sind heute schon eine Form davon; PCR-Verfahren werden zunehmend als Schnell-PCR verfügbar. Die offene Frage ist nicht ob, sondern wie sauber diese nächste Stufe validiert wird.

Wenn Ihnen also ein Anbieter einen „laborgenauen Schnelltest" verspricht, lohnt sich ein ruhiger Blick auf drei Punkte:

  • Nachweisgrenze: Wie niedrig liegt der messbare Bereich? Werte im einstelligen Nanogramm-pro-Liter-Bereich klingen beeindruckend, sind aber nur dann belastbar, wenn sie in unabhängigen Studien bestätigt wurden.
  • Studiendesign: Wurde die Plattform an echten Patientenkohorten geprüft — also mit positiven und negativen Proben aus dem Alltag, nicht nur mit aufbereiteten Laborproben?
  • Einsatzort: Passt die Zulassung zur Umgebung, in der Sie testen wollen? Eine Freigabe für die Notaufnahme ist nicht automatisch eine Freigabe für den Heimbereich.

Mehr als ein Versprechen ist auch hier noch nicht da. Aber die Richtung ist klar: Diagnostik wandert näher an die Patientin und den Patienten. Wir bleiben für Sie dran, was das konkret für Antigen- und PCR-basierte Verfahren in Österreich bedeutet — gerade dann, wenn die ersten validierten PoC-Plattformen tatsächlich auf den Markt kommen.