Antigen- & Schnelltests

Antigentest Kreuzreaktivität: Warum andere Viren das Ergebnis stören

Sie haben sich unwohl gefühlt, einen Antigen-Schnelltest gemacht – und nun zeigt er ein positives Ergebnis an. Gleichzeitig waren in der Familie oder im Kollegenkreis gerade Erkältungen unterwegs.

Antigentest Kreuzreaktivität: Warum andere Viren das Ergebnis stören

Vielleicht war von Influenza die Rede, vielleicht von RSV oder einem der saisonalen Coronaviren, die uns regelmäßig begleiten. Die nagende Frage kommt sofort: Kann der Test auch auf etwas anderes als SARS-CoV-2 reagieren?

Die kurze Antwort lautet: theoretisch ja, in der Praxis sollte das bei einem korrekt entwickelten und geprüften Test selten sein. Genau an dieser Stelle wird es aber kompliziert. Ein Antigentest erkennt nicht «COVID-19» als abstrakte Diagnose, sondern ein bestimmtes Virusprotein in einer Probe. Ob das zuverlässig gelingt, hängt von den verwendeten Antikörpern, der Konzentration des gesuchten Proteins, der Probenqualität und der chemischen Umgebung auf dem Teststreifen ab.

Die Antigentest-Kreuzreaktivität mit anderen Atemwegsviren ist deshalb kein Randthema für Laborhandbücher. Sie entscheidet mit darüber, wie ein positives Ergebnis eingeordnet werden sollte – und warum ein Schnelltest weder völlig beliebig reagiert noch jede Infektion sicher auseinanderhalten kann.

Biochemische Grundlagen: Wie Antikörper das N-Protein erkennen

Antigen-Schnelltests arbeiten nach dem Prinzip eines immunologischen Bindungstests. Auf dem Teststreifen befinden sich Antikörper, die an ein bestimmtes Antigen binden sollen. Bei SARS-CoV-2 zielen viele Schnelltests auf das Nukleokapsid-Protein, kurz N-Protein. Es umhüllt das virale Erbgut und wird während einer Infektion in infizierten Zellen gebildet. Für einen diagnostischen Test ist das N-Protein unter anderem deshalb interessant, weil es in ausreichender Menge in den Sekreten der Atemwege vorkommen kann.

Das Grundprinzip lässt sich vereinfacht so beschreiben: Ein Antikörper erkennt eine bestimmte räumliche und chemische Struktur auf dem N-Protein. Diese Erkennungsstelle wird als Epitop bezeichnet. Treffen passende Moleküle aufeinander, entsteht ein Antigen-Antikörper-Komplex. Im lateralen Fluss-Test wandert die Flüssigkeit anschließend über die Membran. Der Komplex wird an der Testlinie festgehalten und erzeugt dort das sichtbare Signal.

Die oft verwendete Schlüssel-Schloss-Metapher ist dabei nur bedingt hilfreich. Ein Antikörper erkennt kein starres, eindeutig geformtes Objekt wie ein mechanischer Schlüssel ein Schloss. Die Bindung hängt von vielen Wechselwirkungen ab: von der Form der Moleküle, ihrer elektrischen Ladung, ihrer Oberflächenstruktur und davon, wie gut die Probe die Reaktion zulässt. Ein anderer Erreger kann daher an einzelnen Stellen eine ähnliche Struktur aufweisen, ohne mit SARS-CoV-2 eng verwandt zu sein.

Genau daraus kann eine Kreuzreaktion entstehen. Die Antikörper des Tests binden dann nicht nur an das beabsichtigte Ziel, sondern unter bestimmten Bedingungen auch an ein anderes Molekül. Entscheidend ist dabei, dass eine gewisse strukturelle Ähnlichkeit allein noch kein falsch-positives Ergebnis bedeutet. Die Bindung muss stark und stabil genug sein, um unter den konkreten Bedingungen des Tests ein Signal auszulösen.

Für die Praxis sind mehrere Faktoren relevant:

  • Welches Protein wird erkannt? Ein Test gegen das N-Protein hat andere mögliche Kreuzreaktionsmuster als ein Test, der auf ein anderes virales Protein zielt.
  • Wie spezifisch sind die Antikörper? Schon kleine Unterschiede in der Antikörperauswahl können beeinflussen, welche verwandten Strukturen toleriert werden.
  • Wie viel Material befindet sich in der Probe? Eine sehr hohe Konzentration eines verwandten Proteins kann eine schwache Nebenbindung eher sichtbar machen als eine geringe Konzentration.
  • Wie ist die Probe zusammengesetzt? Schleim, Blutbeimengungen, Medikamente oder ein zu großes Probenvolumen können den Test zusätzlich beeinflussen.
  • Wie empfindlich ist die Signalauswertung? Eine sehr blasse Linie kann anders bewertet werden als eine klar erkennbare Testlinie, bleibt aber grundsätzlich als positives Signal zu behandeln.
Kreuzreaktivität bedeutet nicht, dass ein Test «kaputt» ist. Sie beschreibt eine biologische Grenze, die bei der Entwicklung und bei der Interpretation diagnostischer Verfahren berücksichtigt werden muss.

Die Rolle der Spezifität bei der Zulassung von Schnelltests

Spezifität und Sensitivität werden häufig in einem Atemzug genannt, beschreiben aber unterschiedliche Eigenschaften. Die Sensitivität steht dafür, wie gut ein Test tatsächlich infizierte Personen erkennt. Die Spezifität beschreibt dagegen, wie zuverlässig nicht infizierte Personen ein negatives Ergebnis erhalten.

Für die Frage nach falsch-positiven Antigentests ist vor allem die Spezifität von SARS-CoV-2-Schnelltests entscheidend. Eine hohe Spezifität bedeutet, dass der Test bei Proben ohne SARS-CoV-2 möglichst kein positives Signal erzeugt. Kreuzreaktionen mit anderen Atemwegsviren, Bakterien oder Bestandteilen der Probe können diese Eigenschaft beeinträchtigen.

In der Testentwicklung wird deshalb nicht nur geprüft, ob ein Test SARS-CoV-2-Antigen erkennt. Ebenso wichtig ist die sogenannte Kreuzreaktivität oder analytische Spezifität: Der Test wird mit Proben oder Materialien konfrontiert, die andere relevante Erreger und Störsubstanzen enthalten. Dazu gehören unter anderem saisonale humane Coronaviren wie HCoV-229E, HCoV-OC43 und HCoV-NL63. Je nach Prüfkonzept werden auch weitere respiratorische Viren und Bakterien einbezogen, darunter Influenza- und RSV-Material.

Bei der Bewertung durch Behörden und Fachstellen geht es daher nicht um die Behauptung, ein Test könne unter keinen Umständen mit einem anderen Erreger interagieren. Bewertet wird, ob unter den vorgesehenen Testbedingungen ein klinisch relevantes störendes Signal entsteht. Das ist ein wichtiger Unterschied. In einem Laborversuch kann eine hohe Konzentration eines gereinigten Proteins eine schwache Bindung zeigen, während dieselbe Reaktion in einer echten Nasenprobe keine sichtbare Testlinie erzeugt.

Auch ein formal gut geprüfter Test bleibt ein Schnelltest mit begrenzter analytischer Tiefe. Die Zulassung oder Bewertung legt fest, unter welchen Bedingungen das Produkt sicher verwendet werden soll. Sie macht aus dem Test aber kein universelles Verfahren zur Identifikation sämtlicher Atemwegserreger.

Eine sinnvolle Einordnung der Spezifität umfasst deshalb mehrere Ebenen:

PrüfebeneWorum es gehtBedeutung für das Ergebnis
ZielerkennungBindet der Test zuverlässig an das SARS-CoV-2-N-Protein?Zeigt, ob das vorgesehene Antigen erkannt werden kann.
KreuzreaktivitätReagieren die Antikörper auch mit Proteinen anderer Erreger?Hilft, mögliche falsch-positive Signale abzuschätzen.
InterferenzVerändern Schleim, Blut, Medikamente oder Bakterien die Reaktion?Zeigt, ob die Probenmatrix das Signal stören kann.
Praktische AnwendungWird die Probe korrekt entnommen und verarbeitet?Trennt technische Testeigenschaften von Bedienfehlern.

Wer ein positives Ergebnis erhält, sollte daher nicht automatisch annehmen, dass eine Erkältung durch ein anderes Virus die wahrscheinlichste Erklärung ist. Ein falsch-positives Ergebnis kann viele Ursachen haben, und eine echte SARS-CoV-2-Infektion bleibt zunächst die naheliegende Interpretation. Bei einem unerwarteten oder folgenreichen Ergebnis kann eine Bestätigung mit einem molekularen Verfahren sinnvoll sein. Welche Abklärung angemessen ist, hängt von Symptomen, Exposition, Zeitpunkt und medizinischer Situation ab.

Interferenz durch andere Atemwegserreger und Bakterien

Kreuzreaktivität und Interferenz werden oft gleichgesetzt, obwohl sie nicht dasselbe bedeuten. Bei einer Kreuzreaktivität bindet ein Antikörper direkt an ein fremdes Molekül. Eine Interferenz kann dagegen auf einem anderen Weg entstehen: Ein Bestandteil der Probe verändert die Wanderung auf der Membran, blockiert die Bindungsreaktion oder beeinflusst die Farbreaktion.

Andere Atemwegsviren können also theoretisch auf zwei Arten problematisch werden. Ihre Proteine könnten eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Zielantigen besitzen. Oder die von ihnen verursachte Probenumgebung – etwa besonders viel Schleim oder entzündliches Material – könnte die Testchemie ungünstig beeinflussen. Das bedeutet nicht, dass jede virale Erkältung einen SARS-CoV-2-Schnelltest verfälscht. Es erklärt aber, warum die Prüfung verschiedener Erreger und Probenbedingungen Teil einer seriösen Testbewertung ist.

Zu den häufig diskutierten Erregern zählen:

  • Influenzaviren,
  • Respiratorische Synzytialviren,
  • Adenoviren,
  • Rhinoviren und Enteroviren,
  • saisonale humane Coronaviren,
  • Parainfluenzaviren,
  • bestimmte Bakterien aus dem Nasen- und Rachenraum.

Die meisten dieser Erreger besitzen keine identische Kopie des SARS-CoV-2-N-Proteins. Eine direkte Kreuzreaktion ist deshalb nicht automatisch zu erwarten. Entscheidend ist die konkrete Antikörperkombination im jeweiligen Test. Zwei Produkte mit demselben Anwendungszweck können sich in ihrer analytischen Konstruktion deutlich unterscheiden.

Bei einem positiven Antigentest ist außerdem der Zeitpunkt wichtig. In der frühen Phase einer Infektion kann die Virusmenge noch niedrig sein. Dann droht eher ein falsch-negatives Ergebnis, weil nicht genügend Antigen vorhanden ist. Ein positives Signal wird dagegen nicht dadurch falsch, dass die Person zusätzlich eine Erkältung hat. Die Koexistenz mehrerer Infektionen macht die Interpretation schwieriger, ist aber kein Beleg dafür, dass eines der Viren das andere Testergebnis verursacht hat.

Ein weiterer praktischer Punkt wird leicht übersehen: Nicht jede sichtbare Linie ist eine biologische Kreuzreaktion. Eine farbige oder graue Veränderung außerhalb des vorgesehenen Ablesezeitraums kann eine Trocknungs- oder Verdunstungslinie sein. Wird der Test zu spät abgelesen, kann das Ergebnis dadurch irreführend wirken. Umgekehrt kann eine zu kurze Wartezeit ein Signal übersehen lassen.

Zu den häufigen Fehlerquellen eines Antigen-Schnelltests gehören deshalb nicht nur andere Viren:

1. Unzureichende Probenentnahme: Wird das Teststäbchen nicht an die vorgesehene Stelle geführt oder zu kurz bewegt, gelangt möglicherweise zu wenig Material in die Pufferlösung.

2. Falsche Verarbeitung: Zu wenig oder zu viel Puffer, eine ungeeignete Tropfenzahl oder ein nicht korrekt verschlossenes Röhrchen können die Flüssigkeitswanderung verändern.

3. Überschrittene Haltbarkeit: Reagenzien verlieren mit der Zeit an Stabilität. Das gilt besonders, wenn sie falsch gelagert wurden.

4. Ungeeignete Lagerung: Hitze, Frost oder direkte Sonneneinstrahlung können Membran, Antikörper oder Reagenzien beeinträchtigen.

5. Ablesen außerhalb des Zeitfensters: Ein Test muss innerhalb des vom Hersteller angegebenen Zeitraums beurteilt werden.

6. Verunreinigung der Probe: Blut, Nasenspray, Speisereste oder andere Substanzen können die Probenmatrix verändern.

Diese Punkte gehören zur Interferenz bei Lateralfluss-Tests, werden im Alltag aber oft unter dem Sammelbegriff «falsch-positiver Test» zusammengefasst. Für die Ursachenanalyse ist die Unterscheidung wichtig: Ein Test, der wegen einer fehlerhaften Probenhandhabung ein Artefakt zeigt, hat nicht zwingend auf ein anderes Virus reagiert.

Warum Staphylococcus aureus das Testergebnis verfälschen kann

Bakterien sind keine Viren und tragen kein SARS-CoV-2-N-Protein. Eine mögliche Störung durch Bakterien wäre daher normalerweise keine klassische Kreuzreaktivität im engeren Sinn. Dennoch können Bakterien und bakterielle Bestandteile die Zuverlässigkeit eines immunologischen Schnelltests beeinflussen.

Staphylococcus aureus ist ein verbreiteter Bestandteil der menschlichen Haut- und Nasenflora. Bei vielen Menschen lässt er sich nachweisen, ohne dass eine Erkrankung vorliegt. In der Testentwicklung wird er trotzdem als potenzieller Störfaktor berücksichtigt, weil Nasenproben nicht aus einer sterilen Laborumgebung stammen. Sie enthalten eine Mischung aus Schleim, Zellen, Proteinen, Enzymen und Mikroorganismen.

Eine mögliche Interferenz kann entstehen, wenn bakterielle Bestandteile unspezifisch an Proteine binden oder die chemischen Bedingungen der Probe verändern. Auch Enzyme, die von Bakterien oder aus entzündetem Gewebe stammen, können theoretisch die Stabilität einzelner Reagenzien beeinflussen. Ob daraus tatsächlich ein sichtbares positives Signal entsteht, hängt wiederum vom Testaufbau und von der Konzentration des Störfaktors ab.

Das Beispiel Staphylococcus aureus zeigt, warum die Frage «Kann dieses Bakterium den Test verfälschen?» zu grob gestellt ist. Man muss genauer fragen:

  • Wurde der konkrete Test mit dem Bakterium oder relevanten bakteriellen Bestandteilen geprüft?
  • Ging es dabei um eine realistische Konzentration in einer Nasenprobe oder um ein stark konzentriertes Labormaterial?
  • Wurde ein positives Signal erzeugt oder lediglich eine Veränderung der Testleistung beobachtet?
  • Trat die Abweichung nur bei bestimmten Pufferlösungen oder Testchargen auf?
  • War die Probe korrekt entnommen und innerhalb der vorgesehenen Zeit ausgewertet?

Eine nachgewiesene Interferenz im Labor bedeutet daher nicht automatisch, dass jede Person mit S. aureus im Nasenraum ein falsch-positives Ergebnis erhalten wird. Sie zeigt zunächst, dass ein potenzieller Einfluss unter bestimmten Bedingungen untersucht werden muss. Umgekehrt ist ein negatives Interferenzergebnis keine Garantie für jede denkbare Kombination aus Erreger, Probenmenge und Anwendungssituation.

Für Anwenderinnen und Anwender lässt sich aus diesem Detail vor allem eine nüchterne Konsequenz ableiten: Die mikrobielle Zusammensetzung der Nase ist komplex, aber sie ist nicht bei jedem positiven Ergebnis die wahrscheinlichste Erklärung. Ein korrekt angewendeter Test mit einer deutlich sichtbaren Testlinie sollte ernst genommen werden. Bei Widersprüchen zwischen Test, Symptomen und Expositionslage ist eine weitere diagnostische Abklärung sinnvoller, als sich auf eine vermutete Kreuzreaktion zu berufen.

Warum Multiplex-Tests Infektionen besser unterscheiden können

Ein einzelner SARS-CoV-2-Antigentest beantwortet im Kern eine begrenzte Frage: Ist ein bestimmtes SARS-CoV-2-Antigen in der Probe nachweisbar? Er sagt nicht zuverlässig, ob zusätzlich Influenza, RSV oder ein anderer Atemwegserreger vorhanden ist. Bei ähnlichen Symptomen bleibt die Ursache deshalb offen, wenn nur ein einzelnes Ziel getestet wird.

Multiplex-Tests verfolgen einen anderen Ansatz. Sie untersuchen mehrere Erreger oder mehrere Antigene in derselben Probe. Je nach Produkt können sie beispielsweise SARS-CoV-2 und Influenza A beziehungsweise B unterscheiden oder weitere respiratorische Erreger einbeziehen. Das kann besonders dann hilfreich sein, wenn die Symptome stark überlappen oder eine unterschiedliche Behandlung und Beratung erforderlich ist.

Der Vorteil liegt nicht nur in der zusätzlichen Information. Ein Multiplex-Test kann auch dabei helfen, ein positives Signal besser einzuordnen. Wird nur das SARS-CoV-2-Ziel positiv, spricht das eher für den Nachweis dieses Zielantigens. Werden mehrere Ziele positiv, kann eine Doppelinfektion in Betracht kommen. Bleiben alle Ziele negativ, schließt das eine Atemwegsinfektion allerdings nicht zuverlässig aus: Der Erreger kann außerhalb des Testumfangs liegen, die Probe kann zu früh oder zu spät entnommen worden sein, oder die Virusmenge reicht für den Nachweis nicht aus.

EinzeltestMultiplex-Test
Prüft ein festgelegtes Ziel, etwa SARS-CoV-2-AntigenPrüft mehrere festgelegte Erreger oder Antigene
Ist meist einfacher zu beschaffen und auszuwertenLiefert mehr Differenzierung in einem Testlauf
Ein negatives Ergebnis sagt wenig über andere Atemwegsviren ausEin negatives Ergebnis bezieht sich nur auf die enthaltenen Ziele
Ein positives Ergebnis muss im klinischen Zusammenhang bewertet werdenMehrere positive Ziele können auf eine Koinfektion hinweisen
Die mögliche Kreuzreaktivität hängt vom einzelnen Testdesign abJedes Ziel besitzt eigene Antikörper und eigene mögliche Störmuster

Auch Multiplex-Tests sind kein Freibrief für eine automatische Diagnose. Mehr Zielstrukturen bedeuten mehr Reagenzien und damit auch mehr Möglichkeiten für technische Wechselwirkungen. Die Spezifität muss für jedes einzelne Ziel und für die Kombinationen geprüft werden. Zudem können Multiplex-Ergebnisse bei niedrigen Antigenmengen schwieriger zu interpretieren sein als ein klarer Nachweis mit einem gut validierten Einzeltest.

Was ein positives Ergebnis tatsächlich aussagt

Ein positives Ergebnis ist zunächst ein Nachweis- oder Verdachtsbefund, keine vollständige Erklärung der Erkrankung. Der Test zeigt, dass unter den vorgesehenen Bedingungen ein Signal entstanden ist, das zum Zielantigen von SARS-CoV-2 passt. Ob dieses Ergebnis zu den Symptomen, zum Zeitpunkt der Infektion und zur aktuellen epidemiologischen Situation passt, ist eine zweite Frage.

Die häufigsten Überlegungen sollten deshalb nicht bei exotischen Kreuzreaktionen beginnen, sondern bei den naheliegenden Punkten:

  • Wurde der Test innerhalb der Haltbarkeit verwendet?
  • Wurde er entsprechend der Anleitung gelagert?
  • Wurde die Probe korrekt entnommen?
  • War die Testlinie innerhalb des angegebenen Zeitfensters sichtbar?
  • Gibt es einen plausiblen Kontakt oder typische Symptome?
  • Muss das Ergebnis wegen einer medizinischen, beruflichen oder organisatorischen Konsequenz bestätigt werden?

Ein positives Ergebnis kann in Situationen mit niedriger Wahrscheinlichkeit für SARS-CoV-2 dennoch falsch-positiv sein, weil selbst eine sehr hohe Spezifität nicht absolut fehlerfrei ist. Je seltener die Zielinfektion in einer Gruppe vorkommt, desto stärker fällt jedes einzelne falsch-positive Ergebnis bei der Gesamtinterpretation ins Gewicht. Das ist eine statistische Eigenschaft diagnostischer Tests und kein Beweis dafür, dass ein bestimmtes Erkältungsvirus den Test ausgelöst hat.

Umgekehrt sollte ein negatives Ergebnis bei passenden Symptomen nicht überbewertet werden. Antigentests benötigen eine ausreichende Menge an Virusantigen. Eine zu frühe Testung, eine bereits abklingende Infektion oder eine unzureichende Probe können dazu führen, dass das Signal unter der Nachweisgrenze bleibt. Wiederholte Testungen oder ein empfindlicheres molekulares Verfahren können dann mehr Klarheit schaffen.

Die eigentliche Fehlerquelle liegt also oft nicht in einer spektakulären Kreuzreaktion, sondern in der Kombination aus begrenzter Sensitivität, falschem Zeitpunkt, Probenqualität und unpassender Interpretation. Andere Atemwegsviren sind bei der Entwicklung von Tests wichtige Prüfmaterialien. Im Alltag sind sie aber nur ein Teil des Gesamtbildes.

Die Grenze zwischen Spezifität und Gewissheit

Ein guter Antigen-Schnelltest muss zwei Anforderungen gleichzeitig erfüllen: Er soll SARS-CoV-2-Antigen erkennen, wenn es vorhanden ist, und er soll bei ähnlichen, aber nicht passenden Strukturen möglichst ruhig bleiben. Diese Balance ist der Kern der Testentwicklung. Maximale Empfindlichkeit und maximale Spezifität lassen sich nicht immer ohne Zielkonflikte gleichzeitig erreichen.

Die Frage nach den falsch-positiven Antigentests und ihren Ursachen sollte deshalb sachlich beantwortet werden. Kreuzreaktivität bei respiratorischen Viren ist möglich, muss aber vom jeweiligen Testdesign und von den Prüfbedingungen her beurteilt werden. Eine Interferenz durch Bakterien wie Staphylococcus aureus ist ein anderer Mechanismus und sagt nicht automatisch etwas über jede Nasenprobe aus. Fehler bei Entnahme, Lagerung oder Ablesung sind im Alltag mindestens ebenso relevant.

Wer ein Ergebnis einordnen muss, sollte die Testlinie daher weder reflexhaft ignorieren noch aus einer einzelnen vermuteten Kreuzreaktion eine Gewissheit ableiten. Bei einem unerwarteten positiven Befund ist eine Bestätigung medizinisch oft der sauberste Weg. Bei anhaltenden Beschwerden und negativem Schnelltest gilt das umso mehr.

Der Wert eines Antigentests liegt nicht darin, jede denkbare Atemwegsinfektion mit einem Blick zu erklären. Er liegt darin, unter passenden Bedingungen schnell ein bestimmtes Zielantigen zu erkennen. Alles Weitere – insbesondere die Unterscheidung zwischen SARS-CoV-2, Influenza, RSV und anderen Ursachen – verlangt entweder einen Multiplex-Test oder eine weiterführende Diagnostik. Genau dort endet die Aufgabe des einzelnen Teststreifens und beginnt die eigentliche medizinische Einordnung.

Häufige Fragen

Können Influenza oder RSV einen SARS-CoV-2-Antigentest positiv machen?
Theoretisch können Proteine anderer Atemwegsviren mit den Antikörpern eines Tests interagieren. Bei korrekt entwickelten und geprüften Tests sollten solche Kreuzreaktionen jedoch selten sein, und eine Erkältung durch ein anderes Virus ist nicht automatisch die wahrscheinlichste Erklärung für ein positives Ergebnis.
Was bedeutet Kreuzreaktivität bei einem Antigen-Schnelltest?
Kreuzreaktivität bedeutet, dass die Antikörper des Tests unter bestimmten Bedingungen auch an ein fremdes Molekül binden. Eine strukturelle Ähnlichkeit allein reicht jedoch nicht aus; die Bindung muss stark und stabil genug sein, um ein sichtbares Signal zu erzeugen.
Kann Staphylococcus aureus einen SARS-CoV-2-Schnelltest verfälschen?
Staphylococcus aureus besitzt kein SARS-CoV-2-N-Protein und würde daher normalerweise keine klassische Kreuzreaktion auslösen. Bakterielle Bestandteile können die Testchemie unter bestimmten Bedingungen dennoch beeinflussen, was nicht bedeutet, dass jede Person mit diesem Bakterium ein falsch-positives Ergebnis erhält.
Welche anderen Ursachen kann ein falsch-positiver Antigentest haben?
Mögliche Ursachen sind eine fehlerhafte Probenentnahme oder Verarbeitung, abgelaufene oder falsch gelagerte Reagenzien, Verunreinigungen der Probe und das Ablesen außerhalb des vorgesehenen Zeitfensters. Nicht jede auffällige Linie ist deshalb eine biologische Kreuzreaktion.
Was sollte ich bei einem unerwartet positiven Antigen-Schnelltest tun?
Ein korrekt angewendeter Test mit deutlich sichtbarer Testlinie sollte ernst genommen werden. Bei einem unerwarteten oder folgenreichen Ergebnis kann eine Bestätigung mit einem molekularen Verfahren sinnvoll sein; welche Abklärung passt, hängt unter anderem von Symptomen, Exposition, Zeitpunkt und medizinischer Situation ab.