PCR & Labordiagnostik

Gurgel-PCR vs. Abstrich: Wie verlässlich ist die Speichelprobe?

Die Frage nach der Gurgel-PCR-Genauigkeit im Labor lässt sich nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten.

Gurgel-PCR vs. Abstrich: Wie verlässlich ist die Speichelprobe?

Entscheidend ist zunächst, welche Probe tatsächlich untersucht wird: eine sorgfältig gewonnene Gurgellösung aus dem Rachen oder lediglich etwas Speichel, der in ein Röhrchen gespuckt wurde. Beide Proben werden umgangssprachlich als Speichelprobe bezeichnet. Für die molekulare Diagnostik sind sie jedoch nicht gleichwertig.

Bei korrekter Durchführung kann eine Gurgel-PCR eine mit dem nasopharyngealen Abstrich vergleichbare Sensitivität erreichen. Das zeigen wissenschaftliche Auswertungen und eine Cochrane-Analyse. Gleichzeitig reagiert das Verfahren empfindlicher auf die Qualität der Probenentnahme: zu kurzes Gurgeln, ein ungünstiger Zeitpunkt nach Essen oder Trinken, zu viel Flüssigkeit und lange Transportzeiten können die Viruskonzentration im Probengefäß verändern.

Damit wird die Gurgel-PCR zu einem guten Beispiel für eine zentrale Entwicklung in der modernen Labordiagnostik: Die Leistungsfähigkeit eines molekularen Tests entsteht nicht erst an der PCR-Plattform. Sie entsteht entlang einer gesamten Prozesskette – von der Probe über den Transport bis zur Auswertung.

Gurgellösung ist nicht dasselbe wie einfache Speichelprobe

Eine Gurgel-PCR untersucht idealerweise Flüssigkeit, die beim intensiven Gurgeln aus dem Mund- und Rachenraum gelöst wurde. Dabei können Schleim, Zellen und gegebenenfalls virale Partikel aus Bereichen erfasst werden, die bei einfachem Spucken kaum erreicht werden. Die Probe ist deshalb nicht bloß Speichel im engeren Sinn, sondern eine Rachenspülprobe.

Bei einer reinen Speichelprobe wird hingegen nur das Material untersucht, das sich ohne Gurgeln im Mund gesammelt hat. Das kann für bestimmte diagnostische Anwendungen ausreichend sein. Für den Nachweis von SARS-CoV-2 ist die Sensitivität im Durchschnitt jedoch geringer als bei einem professionell entnommenen Nasen-Rachen-Abstrich. In der ausgewerteten Evidenz lag der Unterschied bei etwa 12 Prozentpunkten.

Das ist kein Argument gegen jede Form der Speicheldiagnostik. Es ist ein Argument für eine präzise Begriffsverwendung. Wer eine Gurgel-PCR mit einem Abstrich vergleicht, sollte drei Verfahren auseinanderhalten:

  • Nasopharyngealer Abstrich: Das Probenmaterial wird durch geschultes Personal aus dem Nasen-Rachen-Raum entnommen.
  • Gurgel-PCR: Eine definierte Flüssigkeitsmenge wird etwa 60 Sekunden lang gegurgelt und anschließend zur molekularen Analyse eingesendet.
  • Reine Speichel-Spuckprobe: Speichel wird ohne vorheriges Gurgeln in einem Behälter gesammelt.

Diese Unterscheidung ist für die Interpretation des Ergebnisses wichtiger als die pauschale Bezeichnung als Speicheltest. Ein Test kann auf derselben PCR-Technologie beruhen und dennoch eine andere diagnostische Leistungsfähigkeit zeigen, wenn das Ausgangsmaterial unterschiedlich gewonnen wird.

Die Gurgel-PCR ist nicht deshalb verlässlich, weil sie eine Speichelprobe verwendet. Sie ist verlässlich, wenn die Probe den relevanten Rachenraum ausreichend abbildet und die gesamte Prozesskette funktioniert.

Was das Probenvolumen mit der Sensitivität zu tun hat

Der zentrale physikalische Zielkonflikt der Gurgel-PCR liegt im Probenvolumen. Beim Gurgeln werden typischerweise etwa 5 bis 10 Milliliter Flüssigkeit verwendet. Bei einem klassischen Abstrich wird das Material dagegen in einem deutlich kleineren Elutionsvolumen aufgearbeitet – in der zugrunde liegenden Evidenz ungefähr 0,5 Milliliter.

Mehr Flüssigkeit bedeutet zunächst, dass beim Gurgeln ein größerer Bereich des Mund- und Rachenraums erreicht werden kann. Das ist der diagnostische Vorteil. Gleichzeitig verteilen sich die aufgenommenen Partikel und Zellen auf ein größeres Volumen. Die Virenkonzentration im Probengefäß kann dadurch niedriger ausfallen als bei einer Tupferprobe.

Dieser Verdünnungseffekt ist kein theoretisches Detail, sondern ein wesentlicher Faktor für die Gurgel-PCR-Auswertung. Die PCR sucht nicht nach einer abstrakten Krankheit, sondern nach genetischem Material in der vorliegenden Probe. Ist dieses Material stark verdünnt, kann die Messung schwieriger werden – insbesondere dann, wenn ohnehin nur eine geringe Viruslast vorhanden ist.

Das Verfahren bewegt sich somit zwischen zwei Anforderungen:

1. Eine ausreichend große Fläche muss beprobt werden.

Gurgeln kann Schleimhautzellen und Partikel aus dem Rachenraum lösen, die ein einfacher Speichelfluss nicht zuverlässig erfasst.

2. Das Material darf nicht unnötig stark verdünnt werden.

Ein größeres Flüssigkeitsvolumen kann die Konzentration des nachzuweisenden Materials im Laborgefäß reduzieren.

Die optimale Gurgel-PCR ist deshalb kein möglichst intensives Spülen mit möglichst viel Flüssigkeit. Entscheidend ist eine standardisierte Entnahme mit einem definierten Volumen und einer ausreichend langen Gurgeldauer. In der Evidenz wird eine Dauer von rund 60 Sekunden empfohlen. Das ist lang genug, um Material aus dem relevanten Bereich zu lösen, ohne den Vorgang in eine beliebige Mundspülung zu verwandeln.

Vergleich der drei Probenarten

MerkmalGurgel-PCRNasopharyngealer AbstrichReine Speichelprobe
EntnahmeGurgeln mit definierter FlüssigkeitsmengeAbstrich durch geschultes PersonalEinfaches Spucken
Erfasster BereichMund- und Rachenraum, abhängig von der DurchführungNasen-Rachen-RaumVor allem Mundraum und angesammelter Speichel
Typisches ProbenvolumenEtwa 5 bis 10 Milliliter GurgellösungAufarbeitung in deutlich kleinerem Volumen, etwa 0,5 MilliliterVariabel
SensitivitätBei korrekter Durchführung vergleichbar mit AbstrichReferenz für viele VergleicheIm Durchschnitt geringer als beim nasopharyngealen Abstrich
Kritischer FaktorGurgeldauer, Flüssigkeitsmenge und VerdünnungQualität und Tiefe der EntnahmeUnzureichende Repräsentation des Rachenraums
Praktische StärkeWeniger invasiv, gut für standardisierte EigenentnahmeHohe Kontrolle durch FachpersonalEinfach und niedrigschwellig
Typisches RisikoFalsche Durchführung oder zu starke VerdünnungUnvollständige Entnahme trotz professioneller DurchführungProbe enthält zu wenig relevantes Material

Die Tabelle zeigt auch, warum ein direkter Vergleich nur sinnvoll ist, wenn die Verfahren sauber definiert sind. Eine korrekt durchgeführte Gurgelprobe darf nicht mit einer beliebigen Spuckprobe gleichgesetzt werden.

Was die Cochrane-Evidenz tatsächlich aussagt

Die vorhandene Evidenz ist für die Einordnung der Gurgel-PCR wichtig, weil sie einen verbreiteten Gegensatz relativiert: Gurgeln gegen professionellen Abstrich muss nicht automatisch ein Vergleich zwischen einem ungenauen und einem präzisen Verfahren sein.

Eine Cochrane-Analyse fand keinen signifikanten Unterschied in der Sensitivität zwischen PCR-Tests mit Gurgellösung und nasopharyngealen Abstrichen durch Fachpersonal. Das bedeutet nicht, dass beide Verfahren unter allen Bedingungen identische Ergebnisse liefern. Es bedeutet vielmehr, dass eine sorgfältig gewonnene Gurgellösung in der untersuchten Evidenz diagnostisch mit dem Nasen-Rachen-Abstrich mithalten konnte.

Für die Praxis ist diese Differenz entscheidend. Wissenschaftliche Evidenz bewertet nicht nur das technische Prinzip, sondern die Bedingungen, unter denen ein Verfahren angewendet wird. Bei der Gurgel-PCR gehören dazu:

  • eine ausreichende Gurgeldauer,
  • ein geeignetes und standardisiertes Flüssigkeitsvolumen,
  • eine verständliche Anleitung,
  • eine korrekte Probenübertragung in das vorgesehene Gefäß,
  • ein kontrollierter Transport ins Labor,
  • eine geeignete molekularbiologische Aufarbeitung.

Der Nachweis im Labor ist also nur so robust wie die Probe, die dort ankommt. Die PCR selbst kann hochsensitiv sein. Sie kann aber kein fehlendes oder stark verdünntes Ausgangsmaterial ersetzen.

Diese Perspektive fügt sich in ein größeres Präventionsparadigma ein. Moderne Diagnostik wird zunehmend dort stark, wo sie in Netzwerke eingebettet ist: in standardisierte Abläufe, nachvollziehbare Qualitätskontrollen und eine gute Verbindung zwischen Entnahmestelle, Labor und Ergebnisübermittlung. Die Gurgel-PCR ist deshalb nicht nur eine alternative Entnahmetechnik. Sie ist ein Modellfall dafür, wie Zugänglichkeit und analytische Qualität zusammengeführt werden können.

Warum reine Spuckproben schlechter abschneiden

Die geringere Sensitivität reiner Speichelproben hat mehrere plausible Ursachen. Der wichtigste Unterschied ist die fehlende gezielte Gewinnung von Material aus dem Rachenraum. Einfaches Spucken liefert vor allem Flüssigkeit, die sich im Mund gesammelt hat. Ob und in welchem Umfang dabei relevante Schleimhautzellen oder virale Partikel enthalten sind, kann deutlich schwanken.

Auch die Konsistenz der Probe ist nicht konstant. Eine Speichelprobe kann sehr dünnflüssig sein, Schleim enthalten oder nur eine geringe Menge relevanten Materials transportieren. Hinzu kommt, dass die Person die Probe ohne professionelle Unterstützung gewinnt. Die Eigenentnahme ist dadurch komfortabel, aber auch anfälliger für Abweichungen.

Das erklärt, weshalb die durchschnittlich um 12 Prozentpunkte geringere Sensitivität bei reinen Speichel-Spuckproben nicht einfach auf jede Gurgel-PCR übertragen werden darf. Der entscheidende Unterschied ist die Entnahmetechnik. Gurgeln soll die Reichweite der Probengewinnung erhöhen; Spucken sammelt in erster Linie das ohnehin vorhandene Mundsekret.

Für die Interpretation bedeutet das:

  • Ein negatives Ergebnis aus einer reinen Spuckprobe ist nicht automatisch gleich aussagekräftig wie ein negatives Ergebnis aus einer korrekt gewonnenen Gurgellösung.
  • Eine Gurgelprobe kann diagnostisch deutlich näher am Abstrich liegen, wenn die Entnahme standardisiert erfolgt.
  • Bei hoher klinischer oder epidemiologischer Wahrscheinlichkeit darf ein einzelnes negatives Ergebnis nicht isoliert betrachtet werden.
  • Die konkrete Teststrategie sollte sich nach Anlass, Zeitpunkt, Symptomen und den Vorgaben der zuständigen Stelle richten.

Der letzte Punkt ist besonders relevant, wenn die Viruslast noch niedrig ist oder bereits wieder abnimmt. In solchen Situationen kann die Menge des nachweisbaren Materials nahe an der analytischen Nachweisgrenze liegen. Dann wirken sich präanalytische Unterschiede stärker aus als bei einer hohen Viruslast.

Präanalytik: Der unterschätzte Frühindikator für Testqualität

In der öffentlichen Wahrnehmung beginnt die Diagnostik mit dem Moment, in dem eine Probe im Labor eintrifft. Aus Sicht der Labormedizin beginnt sie früher. Die Präanalytik umfasst alle Schritte vor der eigentlichen Messung – und sie entscheidet mit darüber, ob ein molekularer Test sein Potenzial ausschöpfen kann.

Bei der Gurgel-PCR entstehen Schwankungen vor allem an folgenden Stellen:

Unzureichendes Gurgeln

Wird nur kurz gespült oder bewegt sich die Flüssigkeit hauptsächlich im vorderen Mundraum, werden möglicherweise zu wenige Partikel und Schleimhautzellen aus dem Rachen gelöst. Die Probe kann dann formal korrekt aussehen, aber biologisch zu wenig repräsentatives Material enthalten.

Die empfohlene Gurgeldauer von rund 60 Sekunden ist daher keine nebensächliche Bedienungsempfehlung. Sie ist Teil der diagnostischen Standardisierung. Eine Verkürzung verändert nicht zwangsläufig jedes Ergebnis, erhöht aber die Streuung zwischen einzelnen Proben.

Zu großes oder nicht kontrolliertes Flüssigkeitsvolumen

Je mehr Flüssigkeit eingesetzt wird, desto größer kann der Verdünnungseffekt sein. Ein Volumen von 5 bis 10 Millilitern ist bei Gurgelverfahren üblich, muss aber in ein Verfahren eingebettet sein, dessen Laboraufarbeitung dafür ausgelegt ist.

Ein Gurgeltest ist deshalb nicht beliebig skalierbar. Mehr Flüssigkeit bedeutet nicht automatisch mehr diagnostische Information. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen erfasstem Material, Flüssigkeitsvolumen und Aufarbeitung im Labor.

Essen, Trinken und Mundhygiene

Der Zeitpunkt der Probenentnahme nach Nahrungsaufnahme, Trinken oder Zähneputzen kann die Probe beeinflussen. Für den exakten prozentualen Einfluss einzelner Verhaltensweisen auf den CT-Wert liegen in der zugrunde liegenden Evidenz jedoch keine belastbaren Feldwerte vor. Daraus folgt eine nüchterne, aber wichtige Konsequenz: Solche Faktoren sollten nach den Anweisungen des jeweiligen Testsystems berücksichtigt werden, ohne ihnen eine nicht belegte mathematische Wirkung zuzuschreiben.

Lange Transportzeiten und Hitze

Eine Probe ist kein statisches Datenpaket. Zwischen Entnahme und Analyse können Temperatur, Zeit und Lagerbedingungen die Qualität des Materials beeinflussen. Lange Transportzeiten bei Hitze gehören zu den bekannten Ursachen präanalytischer Schwankungen.

Gerade bei dezentralen Testangeboten ist deshalb die Logistik Teil der diagnostischen Infrastruktur. Ein gut konzipiertes Verfahren braucht nicht nur ein sensibles PCR-System, sondern auch klare Transportwege, geeignete Behälter und eine zeitnahe Verarbeitung.

Die Präanalytik ist der Frühindikator der Labordiagnostik: Wo sie instabil ist, wird auch das beste PCR-Verfahren unzuverlässiger.

Was der CT-Wert leisten kann – und was nicht

Der CT-Wert, also der Zykluswert einer PCR, wird häufig als direkte Skala für die Virusmenge interpretiert. Diese Vereinfachung ist problematisch. Ein höherer CT-Wert kann mit einer geringeren Menge des nachgewiesenen genetischen Materials zusammenhängen. Der Wert wird jedoch auch von Probenart, Entnahme, Aufarbeitung, Testsystem und Laborbedingungen beeinflusst.

Bei einer Gurgelprobe kann die Verdünnung durch das größere Flüssigkeitsvolumen dazu beitragen, dass weniger virales Material pro Volumeneinheit vorliegt. Das kann die PCR-Auswertung erschweren und sich auf den gemessenen CT-Wert auswirken. Daraus lässt sich aber nicht pauschal ableiten, dass jede Gurgelprobe einen bestimmten CT-Wert oder eine bestimmte Abweichung gegenüber einem Abstrich erzeugt.

Für die Bewertung eines Ergebnisses sollten daher mehrere Ebenen zusammen betrachtet werden:

1. Welche Probe wurde entnommen?

Gurgellösung, reiner Speichel oder nasopharyngealer Abstrich sind nicht austauschbar.

2. Wie wurde die Probe gewonnen?

Dauer, Flüssigkeitsmenge und Einhaltung der Anleitung beeinflussen die Vergleichbarkeit.

3. Wie wurde die Probe transportiert und verarbeitet?

Zeit und Temperatur können die Stabilität und Qualität des Materials verändern.

4. Welches Testsystem wurde verwendet?

CT-Werte sind zwischen unterschiedlichen PCR-Systemen nicht ohne Weiteres vergleichbar.

5. Wie passt das Ergebnis zum klinischen Zusammenhang?

Symptome, Kontaktlage und Testzeitpunkt gehören zur Interpretation dazu.

Der CT-Wert ist damit ein Laborparameter, aber kein alleiniger Gesundheits- oder Anstecklichkeitsmesser. Besonders bei niedriger Viruslast können kleine Unterschiede in der Probenqualität große Auswirkungen auf die Nachweisbarkeit haben. Genau an dieser Schnittstelle zeigt sich, warum eine systemische Betrachtung der Diagnostik sinnvoller ist als die Fixierung auf eine einzelne Zahl.

Wie sich die Probenqualität bei der Gurgel-PCR verbessern lässt

Die Gurgel-PCR kann ihre Vorteile vor allem dann ausspielen, wenn die Entnahme nicht als beiläufiger Schritt behandelt wird. Für eine möglichst stabile Probenqualität sind mehrere Elemente entscheidend:

  • Die Anleitung sollte vor der Entnahme vollständig gelesen werden. Unterschiedliche Testsysteme können eigene Vorgaben für Flüssigkeit, Behälter und Transport haben.
  • Die Flüssigkeitsmenge sollte der vorgesehenen Anwendung entsprechen. Eigenmächtiges Verdünnen oder zusätzliches Wasser kann die Konzentration des Materials verändern.
  • Rund 60 Sekunden Gurgeln sind als Richtwert ernst zu nehmen. Ein kurzes Spülen bildet den vorgesehenen Entnahmeprozess nicht zuverlässig ab.
  • Die Flüssigkeit sollte tatsächlich den Rachenraum erreichen. Nur das Bewegen im vorderen Mundraum entspricht nicht der Idee einer Rachenspülprobe.
  • Die Probe muss vollständig und sauber in das vorgesehene Gefäß überführt werden. Verluste oder Verunreinigungen können die Aufarbeitung erschweren.
  • Transport- und Lagerhinweise sollten eingehalten werden. Besonders bei längeren Wegen und höheren Temperaturen ist die Zeit zwischen Entnahme und Labor relevant.
  • Ein negatives Ergebnis sollte im Zusammenhang betrachtet werden. Bei anhaltendem Verdacht kann je nach Situation eine erneute oder anders entnommene Probe sinnvoll sein.

Diese Punkte sind keine Laboranleitung im engeren Sinn, sondern beschreiben die Qualitätslogik hinter dem Verfahren. Sie machen sichtbar, dass Eigenentnahme nicht mit fehlender Professionalität gleichzusetzen ist. Sie verlangt aber eine gute Standardisierung. Je stärker ein Test dezentralisiert wird, desto wichtiger werden verständliche Anweisungen und robuste Prozesse.

Gurgel-PCR als Baustein resilienter Diagnostik

Die großflächige Beschäftigung mit Gurgel-PCR-Tests begann insbesondere ab 2020, unter anderem im Umfeld von Studien und Anwendungen an Schulen. Die Attraktivität lag auf der Hand: Die Entnahme ist weniger invasiv als ein tiefer Nasen-Rachen-Abstrich und kann in bestimmten Umgebungen leichter in den Alltag integriert werden.

Der strategische Nutzen einer solchen Methode liegt jedoch nicht allein im Komfort. Für ein belastbares Frühwarnsystem zählen auch Skalierbarkeit, Akzeptanz und Prozesssicherheit. Ein Verfahren, das von vielen Menschen korrekt durchgeführt werden kann, erweitert die diagnostische Reichweite. Ein Verfahren, das zwar leicht zugänglich ist, aber stark von individuellen Fehlern abhängt, erzeugt dagegen zusätzliche Unsicherheit.

Die Gurgel-PCR steht damit an einer Schnittstelle zwischen technologischer Innovation und Public Health. Ihre Stärke entsteht durch Synergieeffekte:

  • Die PCR liefert die analytische Sensitivität.
  • Die Gurgeltechnik ermöglicht eine weniger belastende Probenentnahme.
  • Standardisierte Anweisungen reduzieren die Streuung.
  • Geeignete Laboraufarbeitung gleicht die Besonderheiten des Probenvolumens aus.
  • Eine verlässliche Logistik verbindet dezentrale Entnahme und zentrale Diagnostik.

Dieser Netzwerkgedanke ist auch für die österreichische Labordiagnostik relevant. PCR-Test, Labor und Gesundheitssystem dürfen nicht als voneinander getrennte Einheiten betrachtet werden. Erst ihr Zusammenspiel schafft ein belastbares Muster aus Daten, Befunden und Handlungsmöglichkeiten.

Die Antwort auf die Ausgangsfrage

Wie verlässlich ist die Speichelprobe bei der Gurgel-PCR? Die präziseste Antwort lautet: Eine korrekt gewonnene Gurgellösung kann im Labor eine mit dem nasopharyngealen Abstrich vergleichbare Sensitivität erreichen. Eine reine Spuckprobe ist dagegen im Durchschnitt weniger sensitiv.

Die Unterschiede entstehen vor allem durch die Probenentnahme und die Verarbeitung. Rund 60 Sekunden Gurgeln sollen ausreichend Material aus dem Rachen lösen. Gleichzeitig kann das Volumen von etwa 5 bis 10 Millilitern zu einer Verdünnung führen, die bei niedriger Viruslast relevant wird. Genau deshalb sind standardisierte Abläufe, geeignete Laboraufarbeitung und kurze, kontrollierte Transportwege so wichtig.

Die Gurgel-PCR ist somit weder ein pauschaler Ersatz für jeden Abstrich noch eine grundsätzlich unzuverlässige Speichelanalyse. Sie ist ein diagnostisches Verfahren mit eigenen Stärken und eigenen Fehlerquellen. Ihre Qualität zeigt sich nicht in der Bezeichnung Speicheltest, sondern in der gesamten Prozesskette.

Für die Zukunft der molekularen Diagnostik ist das eine konstruktive Perspektive: Nicht jede Innovation muss den bisherigen Standard verdrängen. Oft entsteht Resilienz dadurch, dass unterschiedliche Verfahren sinnvoll kombiniert werden – mit klarer Kenntnis ihrer Grenzen, ihrer Datenqualität und ihres Platzes im gesundheitlichen Netzwerk.

Häufige Fragen

Wie zuverlässig ist eine Gurgel-PCR im Vergleich zum Nasen-Rachen-Abstrich?
Eine korrekt gewonnene Gurgellösung kann eine mit dem nasopharyngealen Abstrich vergleichbare Sensitivität erreichen. Eine Cochrane-Analyse fand keinen signifikanten Sensitivitätsunterschied zwischen beiden Verfahren.
Ist eine Gurgel-PCR dasselbe wie eine Speichel-Spuckprobe?
Nein. Bei der Gurgel-PCR wird eine definierte Flüssigkeitsmenge gegurgelt, um Material aus dem Mund- und Rachenraum zu lösen. Bei einer reinen Speichelprobe wird lediglich ohne vorheriges Gurgeln gesammelter Speichel untersucht.
Warum ist eine reine Speichelprobe weniger sensitiv?
Einfaches Spucken erfasst vor allem im Mund angesammelte Flüssigkeit und erreicht den Rachenraum weniger gezielt. In der ausgewerteten Evidenz lag die Sensitivität reiner Speichelproben im Durchschnitt etwa 12 Prozentpunkte unter der eines professionellen Nasen-Rachen-Abstrichs.
Wie lange sollte man für eine Gurgel-PCR gurgeln?
In der Evidenz wird eine Gurgeldauer von rund 60 Sekunden empfohlen. Ein zu kurzes Gurgeln kann dazu führen, dass zu wenige Partikel und Schleimhautzellen aus dem Rachen gelöst werden.
Kann das Gurgelvolumen die PCR-Ergebnisse beeinflussen?
Ja. Bei Gurgelverfahren werden typischerweise etwa 5 bis 10 Milliliter Flüssigkeit verwendet, wodurch sich aufgenommene Partikel und Zellen auf ein größeres Volumen verteilen können. Die daraus entstehende Verdünnung kann die Messung besonders bei niedriger Viruslast erschweren.