Entkeimung & Hygiene

Ozon-Luftreiniger: Wirksamkeit gegen Viren und gesundheitliche Risiken

Ozon-Luftreiniger wirken auf den ersten Blick überzeugend: Das Gerät erzeugt ein stark oxidierendes Gas, dieses verteilt sich im Raum und soll Viren, Bakterien und andere biologische Verunreinigungen inaktivieren.

Ozon-Luftreiniger: Wirksamkeit gegen Viren und gesundheitliche Risiken

Für die Ozon-Luftreiniger-Wirksamkeit gegen Viren ist jedoch entscheidend, welche Konzentration tatsächlich nötig wäre – und ob sich Menschen oder Tiere währenddessen im Raum aufhalten.

Genau an diesem Punkt gerät das Versprechen der Ozonisatoren in Konflikt mit der Alltagsrealität. Eine Ozonkonzentration, die Krankheitserreger zuverlässig inaktivieren kann, ist für die Atemwege und Augen nicht harmlos. Wird das Gerät dagegen so betrieben, dass die Raumluft für anwesende Personen möglichst unbedenklich bleibt, ist eine verlässliche Viruzidie, also eine ausreichende Inaktivierung von Viren, nicht gesichert.

Ozon kann Krankheitserreger durch Oxidation schädigen. Das bedeutet aber nicht, dass Ozon in bewohnten Räumen eine sichere Methode zur Raumluftdesinfektion ist.

Die chemische Falle: Warum Ozon in bewohnten Räumen problematisch ist

Ozon besteht aus drei Sauerstoffatomen und ist deutlich reaktionsfreudiger als der Sauerstoff, den wir einatmen. Diese Eigenschaft macht das Gas für bestimmte technische Anwendungen interessant: Ozon kann Zellhüllen, Eiweißstrukturen und andere organische Bestandteile oxidativ verändern. Bei ausreichend hoher Konzentration und geeigneter Einwirkzeit lassen sich damit auch Viren und Bakterien inaktivieren.

Was im Labor oder in einem kontrollierten, unbewohnten Raum funktioniert, lässt sich allerdings nicht ohne Weiteres auf ein Klassenzimmer, ein Wartezimmer oder eine Wohnung übertragen. Denn Ozon unterscheidet nicht zwischen einer Virushülle und dem Gewebe unserer Atemwege. Es reagiert mit biologischem Material – und damit auch mit Schleimhäuten, Augen und Lungen.

Mögliche Beschwerden bei einer Ozonexposition sind:

  • Reizungen der Augen und Atemwege,
  • Husten und ein kratzendes Gefühl im Hals,
  • Kopfschmerzen,
  • eine verminderte Lungenfunktion,
  • die Auslösung oder Verschlechterung von Asthmaanfällen.

Besonders empfindlich können Menschen mit Asthma, chronischen Atemwegserkrankungen oder einer erhöhten Reizbarkeit der Atemwege reagieren. Auch Kinder sind in Einrichtungen wie Schulen oder Kindergärten nicht einfach als kleine Erwachsene zu betrachten: Ihre Atemwege befinden sich noch in Entwicklung, und sie halten sich häufig über längere Zeit in denselben Räumen auf.

Das macht die Frage nach der Ozonbelastung im Innenraum so wichtig. Ein Gerät ist nicht deshalb unbedenklich, weil es klein ist, leise arbeitet oder als Luftreiniger für den privaten Gebrauch verkauft wird. Entscheidend ist, wie viel Ozon es freisetzt, wie sich das Gas im Raum verteilt, wie lange es vorhanden bleibt und welche weiteren Stoffe in der Raumluft reagieren können.

Warum der Geruch kein verlässlicher Schutz ist

Ozon wird oft über seinen charakteristischen Geruch wahrgenommen. Daraus entsteht leicht die falsche Vorstellung, man könne eine gefährliche Konzentration rechtzeitig bemerken und das Gerät dann abschalten. Der Geruch ist jedoch kein verlässliches Messinstrument. Die individuelle Wahrnehmung unterscheidet sich, und die Geruchswahrnehmung kann sich bei längerer Exposition verändern.

Auch ein Raum, der nach dem Betrieb zunächst wieder normal riecht, muss nicht automatisch frei von Ozon oder seinen Reaktionsprodukten sein. Die Abklingzeit hängt unter anderem von der Raumgröße, der Luftbewegung, der Oberflächenbeschaffenheit und der vorhandenen Raumluftchemie ab. Ohne geeignete Messung lässt sich aus dem Geruch allein keine sichere Freigabe ableiten.

Oxidation gegen Viren: Was im Labor funktioniert, scheitert oft an der Alltagstauglichkeit

Die Ozon-Generatoren-Viren-Inaktivierung beruht auf Oxidation. Ozon kann Bestandteile von Viren angreifen und dadurch deren Fähigkeit zur Vermehrung beeinträchtigen. Für eine wirksame Behandlung sind aber mehrere Faktoren gleichzeitig relevant:

1. Die Ozonkonzentration muss ausreichen. Eine sehr niedrige Konzentration kann zwar chemisch aktiv sein, erreicht aber nicht automatisch eine zuverlässige Inaktivierung aller relevanten Erreger.

2. Die Einwirkzeit muss passen. Je geringer die Konzentration, desto länger kann die notwendige Kontaktzeit sein.

3. Das Gas muss den gesamten behandelten Bereich erreichen. Möbel, Textilien, Nischen und schlecht durchströmte Zonen können die Verteilung beeinflussen.

4. Die Raumluft darf nicht durch andere Stoffe verändert werden. Flüchtige organische Verbindungen, kurz VOC genannt, können mit Ozon reagieren und dabei neue, unerwünschte Produkte bilden.

5. Nach der Behandlung muss der Raum sicher auslüften. Eine Rückkehr von Personen unmittelbar nach dem Abschalten ist nicht automatisch unbedenklich.

Unter Laborbedingungen lassen sich einzelne dieser Parameter gezielt kontrollieren. In einem bewohnten Innenraum ist das deutlich schwieriger. Türen werden geöffnet, die Raumtemperatur verändert sich, Luft strömt durch Undichtigkeiten, und die Ozonkonzentration ist nicht an jeder Stelle gleich. Besonders problematisch sind Räume mit vielen Einrichtungsgegenständen, Vorhängen, Polstermöbeln oder Materialien, die mit Ozon reagieren können.

Die zentrale Diskrepanz lautet deshalb: Für eine zuverlässige Vireninaktivierung kann eine höhere Ozonbelastung erforderlich sein, als für Menschen und Tiere vertretbar ist. Wird die Konzentration auf ein gesundheitlich möglichst niedriges Niveau begrenzt, ist nicht bewiesen, dass das Gerät die Raumluft zuverlässig von Viren befreit.

Das Umweltbundesamt und die US-amerikanische Umweltbehörde EPA raten deshalb vom Einsatz ozonerzeugender Luftreiniger und Ionisatoren in bewohnten Innenräumen ab. Diese Einschätzung richtet sich nicht gegen jede technische Nutzung von Ozon, sondern gegen die Vorstellung, man könne das Gas während des normalen Aufenthalts zur dauerhaften Raumluftreinigung einsetzen.

Eine Desinfektion ist keine normale Luftreinigung

Der Begriff „Luftreiniger“ klingt im Alltag harmlos. Bei einem Ozonisator beschreibt er aber nicht zwangsläufig dasselbe wie bei einem mechanischen Luftreiniger mit Filter. Ein HEPA-Gerät hält Partikel aus dem Luftstrom zurück. Ein Ozon-Generator gibt dagegen einen reaktiven Stoff an die Raumluft ab.

Das sind zwei grundsätzlich unterschiedliche Wirkprinzipien:

MerkmalOzon-LuftreinigerHEPA-Luftreiniger
WirkprinzipChemische Oxidation durch freigesetztes OzonMechanische Abscheidung von Partikeln im Filter
Betrieb bei anwesenden PersonenFür die Virenbekämpfung nicht als sicherer Dauerbetrieb geeignetBei passender Auslegung grundsätzlich für den Betrieb in belegten Räumen gedacht
Umgang mit VirenInaktivierung kann unter geeigneten Konzentrationen und Einwirkzeiten möglich seinVirushaltige Aerosole werden aus dem Luftstrom entfernt
Risiko durch NebenprodukteOzon kann mit Stoffen der Raumluft reagierenBei bestimmungsgemäßem Betrieb entstehen keine ozonbedingten Reaktionsprodukte
NachbereitungRaum muss unbewohnt bleiben und anschließend ausreichend auslüften oder behandelt werdenRegelmäßiger Filterwechsel und Wartung
Typischer EinsatzSpezielle Behandlung unbewohnter RäumeRaumluftreinigung im Alltag, etwa in Büros, Klassen- oder Wohnräumen

Ein Ozon-Gerät kann also nicht einfach als stärkere Variante eines HEPA-Luftreinigers betrachtet werden. Es verfolgt ein anderes Konzept und stellt andere Anforderungen an Planung, Überwachung und Nachbereitung.

Sekundäre Schadstoffe: Wenn Ozon mit der Raumluft reagiert

Die gesundheitliche Bewertung endet nicht bei der direkten Ozonexposition. Ozon kann mit flüchtigen organischen Verbindungen reagieren, die aus Reinigungsmitteln, Farben, Lacken, Möbeln, Kunststoffen, Duftstoffen oder Körperpflegeprodukten stammen. Bei diesen Reaktionen können neue chemische Verbindungen entstehen, darunter reizende oder gesundheitlich unerwünschte Nebenprodukte.

Gerade in Innenräumen ist das relevant, weil die Raumluft nicht aus reinem Sauerstoff und Stickstoff besteht. Sie enthält eine Vielzahl von Stoffen, deren Zusammensetzung sich je nach Nutzung verändert. In einem Haushalt mit Duftkerzen, Reinigungsmitteln und neuen Möbeln sieht die Raumluft chemisch anders aus als in einem Klassenraum, einer Ordination oder einem Lager.

Damit wird die Ozon-oxidation von Aerosolen zu einem ambivalenten Vorgang. Ozon kann bestimmte organische Bestandteile oxidieren, aber aus dieser Reaktion folgt nicht automatisch eine bessere Luftqualität. Ein Stoff verschwindet nicht zwingend, sondern kann in andere Bestandteile übergehen. Ohne Messung lässt sich nicht verlässlich beurteilen, welche Konzentrationen dabei entstehen.

Das gilt auch für die Vermarktung von Geräten, die zusätzlich mit Ionisation arbeiten. Ionisatoren laden Partikel elektrisch auf, damit diese sich an Oberflächen ablagern oder leichter abgeschieden werden. Wenn dabei Ozon freigesetzt wird oder als Teil des Wirkprinzips dient, entsteht dieselbe grundlegende Frage: Wird die Luft tatsächlich sicherer – oder wird nur ein neuer reaktiver Stoff in den Raum eingebracht?

Für Einrichtungen mit empfindlichen Personengruppen ist diese Unsicherheit besonders schwer zu rechtfertigen. In Schulen, Pflegeeinrichtungen, Ordinationen und Aufenthaltsräumen geht es nicht nur darum, ob ein Gerät theoretisch einen Erreger inaktivieren kann. Es geht um ein Schutzkonzept, das im täglichen Betrieb zuverlässig, verständlich und kontrollierbar bleibt.

Grenzwerte helfen bei der Einordnung – sie machen Ozon aber nicht zum Raumluftschutz

Bei der Diskussion über Ozonbelastung im Innenraum werden häufig einzelne Grenz- oder Richtwerte genannt. Solche Werte sind wichtig, dürfen aber nicht aus dem Zusammenhang gerissen werden. Ein Grenzwert ist keine Qualitätsauszeichnung für ein Gerät und auch kein Beleg dafür, dass bei seiner Einhaltung eine bestimmte Virenreduktion erreicht wird.

Für die Einordnung werden unter anderem folgende Werte herangezogen:

  • Der EU-Zielwert für Ozon liegt bei 120 Mikrogramm pro Kubikmeter als Acht-Stunden-Mittelwert.
  • Ab 180 Mikrogramm pro Kubikmeter als Ein-Stunden-Mittelwert ist eine Informationsschwelle für die Bevölkerung relevant.
  • Für bestimmte Luftreiniger sieht die Sicherheitsnorm UL 867 eine maximale Ozonemission von 50 ppb beziehungsweise 0,05 ppm vor.
  • Als Arbeitsplatzgrenzwert für eine Ozonexposition über acht Stunden werden 0,1 ppm genannt.

Diese Zahlen beschreiben unterschiedliche Messsituationen und Schutzkonzepte. Sie sind deshalb nicht beliebig gegeneinander austauschbar. Vor allem darf aus einer maximal zulässigen Geräteemission nicht geschlossen werden, dass im konkreten Raum automatisch genau diese Konzentration eingehalten wird. Raumvolumen, Luftwechsel, Aufstellort und Betriebsdauer verändern die tatsächliche Belastung.

Ebenso wenig lässt sich aus dem Umstand, dass ein Gerät einen bestimmten Normwert einhält, eine zuverlässige Viruzidie ableiten. Die Fragen sind verschieden:

  • Wie viel Ozon gelangt in die Raumluft?
  • Wie lange bleibt es dort?
  • Welche Konzentration entsteht in Atemhöhe?
  • Welche Ozonmenge wird für die gewünschte Erregerinaktivierung benötigt?
  • Welche Nebenprodukte entstehen durch Reaktionen mit der Raumluft?
  • Wie wird nach dem Betrieb festgestellt, dass der Raum wieder betreten werden kann?

Wer diese Fragen nicht beantworten kann, hat kein belastbares Schutzkonzept, sondern verlässt sich auf das Wirkversprechen eines Produkts.

Was bei einer Ozonbehandlung unbewohnter Räume gilt

Eine gezielte Ozon-Desinfektion kann in speziellen, unbewohnten und abgeschlossenen Räumen durchgeführt werden. Dafür gelten jedoch deutlich strengere Bedingungen als bei einem Gerät, das einfach im Wohnzimmer oder Klassenzimmer aufgestellt wird.

Während der Behandlung dürfen sich weder Menschen noch Tiere im Raum aufhalten. Auch Pflanzen und empfindliche Materialien können betroffen sein. Der Raum muss gegen ein unbeabsichtigtes Betreten gesichert werden. Nach der Behandlung muss das Ozon ausreichend abklingen oder durch geeignete Verfahren katalytisch abgebaut werden; zusätzlich ist eine kontrollierte Lüftung erforderlich.

Für die Wiederfreigabe reicht es nicht aus, das Gerät auszuschalten und einige Minuten zu warten. Ohne Messung oder ein fachlich definiertes Verfahren bleibt offen, ob die Konzentration tatsächlich ausreichend gesunken ist. Gerade bei Räumen mit geringer natürlicher Lüftung kann das Abklingen länger dauern, als es im Betriebsalltag eingeplant wird.

In der Praxis bedeutet das: Ozon ist keine unkomplizierte Maßnahme für den laufenden Infektionsschutz. Es ist ein Verfahren, das – wenn es überhaupt eingesetzt wird – in ein professionelles, kontrolliertes Anwendungskonzept gehört.

Sichere Alternativen: Warum HEPA-Filter und Lüften die bessere Wahl sind

Für bewohnte Räume sind Maßnahmen sinnvoller, die die Luftqualität verbessern, ohne absichtlich ein reizendes Gas freizusetzen. Dazu gehören vor allem ausreichendes Lüften und die mechanische Raumluftfilterung mit geeigneten HEPA-Geräten.

Lüften senkt die Konzentration in der Raumluft

Beim Lüften wird belastete Innenraumluft durch Außenluft ersetzt. Dadurch können sich virushaltige Aerosole verdünnen und aus dem Raum entfernt werden. Wie gut das funktioniert, hängt von der Lüftungsart, der Raumgröße, der Belegung und den Außenbedingungen ab.

Stoßlüften kann in vielen Situationen praktikabel sein, ist aber nicht immer komfortabel oder ausreichend. Bei dicht belegten Räumen, ungünstigen Außenbedingungen oder längeren Aufenthaltszeiten braucht es oft eine Kombination aus Lüftung, angepasster Belegung und technischer Unterstützung. Ein offenes Fenster allein ist kein universelles Schutzkonzept – aber es ist eine nachvollziehbare Maßnahme ohne die zusätzliche Gefahr einer Ozonfreisetzung.

HEPA-Filter entfernen Partikel aus dem Luftstrom

Mobile Luftreiniger mit geeigneter HEPA-Filterung arbeiten nach einem anderen Prinzip als Ozonisatoren: Sie führen Raumluft durch ein Filtermedium, in dem Partikel abgeschieden werden. Virushaltige Aerosole können dadurch aus dem Luftstrom entfernt werden, sofern das Gerät ausreichend dimensioniert ist und korrekt im Raum betrieben wird.

Für die Auswahl und Umsetzung sind unter anderem diese Punkte relevant:

  • Das Gerät muss zur Raumgröße und zur tatsächlichen Nutzung passen.
  • Die Luft sollte den gesamten Aufenthaltsbereich sinnvoll durchströmen können.
  • Die Geräuschentwicklung darf nicht dazu führen, dass das Gerät im Alltag ständig ausgeschaltet wird.
  • Filter und Vorfilter müssen nach Herstellerangaben gewartet und gewechselt werden.
  • Das Gerät sollte nicht so aufgestellt werden, dass die gereinigte Luft direkt von einer Person zur nächsten gelenkt wird.
  • Die technische Filterung ersetzt nicht automatisch alle anderen Maßnahmen, insbesondere nicht ein sinnvolles Lüftungskonzept.

Auch ein HEPA-Luftreiniger ist kein magischer Virenschutz. Er reduziert die Partikelbelastung nur in dem Maß, in dem er tatsächlich Luft umwälzt und filtert. Der Unterschied zum Ozon-Luftreiniger liegt jedoch in der Alltagstauglichkeit: Die mechanische Abscheidung kann während des Aufenthalts von Menschen erfolgen, ohne dass dafür ein reizendes Oxidationsmittel in die Raumluft eingebracht werden muss.

Ein gutes Schutzkonzept muss nicht spektakulär wirken. Es muss im belegten Raum funktionieren, ohne neue Risiken zu erzeugen.

Ozon-Luftreiniger und HEPA-Filter nicht nach Werbeversprechen vergleichen

Bei der Suche nach einer Lösung gegen Viren werden Ozonisatoren häufig mit Begriffen wie „Desinfektion“, „antibakteriell“ oder „vollständige Reinigung“ beworben. Solche Aussagen sollten wir nicht isoliert betrachten. Entscheidend ist, ob das Verfahren zur konkreten Nutzungssituation passt.

Für einen bewohnten Raum sprechen mehrere Gründe gegen ozonerzeugende Geräte:

1. Die erforderliche Wirkkonzentration und die gesundheitlich vertretbare Konzentration können auseinanderliegen. Eine sichere Daueranwendung bei Anwesenheit von Menschen ist dadurch nicht gewährleistet.

2. Die tatsächliche Raumkonzentration bleibt ohne Messung unklar. Die Leistungsangabe des Geräts sagt allein noch nicht, welcher Wert in Atemhöhe entsteht.

3. Ozon kann mit anderen Stoffen reagieren. Dabei können neue, unerwünschte Verbindungen entstehen.

4. Die Nachbereitung ist anspruchsvoll. Nach einer Behandlung müssen Räume ausreichend auslüften oder anderweitig sicher freigegeben werden.

5. Die Virenreduktion ist nicht automatisch gleichmäßig. Möbel, Nischen und unterschiedliche Luftströmungen können die Behandlung beeinflussen.

6. Der Einsatz ersetzt weder Lüften noch eine geeignete Partikelfilterung. Eine vollwertige Alternative zu HEPA-Filtern oder Stoßlüften ist ein Ozon-Luftreiniger daher nicht.

Für eine Schule, eine Ordination oder einen Arbeitsplatz ist diese Bilanz meist eindeutig: Ein System, das nur während der Abwesenheit aller Personen betrieben werden darf und anschließend eine kontrollierte Freigabe benötigt, löst nicht das eigentliche Problem der kontinuierlichen Raumluftbelastung. Dafür sind Lüftung und geeignete Filtertechnik besser in bestehende Abläufe integrierbar.

Was Verbraucherinnen und Verbraucher aus Produktangaben ablesen können

Wenn ein Gerät bereits gekauft wurde oder für einen bestimmten Zweck ausgewählt werden soll, lohnt sich ein nüchterner Blick auf die technischen Angaben. Besonders kritisch sind Formulierungen, die eine Viren- oder Bakterienreduktion versprechen, ohne die Bedingungen dafür zu nennen.

Achten Sie auf folgende Fragen:

  • Gibt der Hersteller an, ob während des Betriebs Personen im Raum bleiben dürfen?
  • Wird ausdrücklich beschrieben, ob Ozon erzeugt oder als Hauptwirkprinzip eingesetzt wird?
  • Sind Konzentration, Einwirkzeit und notwendige Raumgröße nachvollziehbar angegeben?
  • Gibt es klare Hinweise zur Lüftung und zur sicheren Wiederbetretung?
  • Wird eine Messung der Ozonkonzentration empfohlen oder vorausgesetzt?
  • Werden mögliche Reaktionsprodukte mit flüchtigen organischen Verbindungen erwähnt?
  • Ist das Gerät tatsächlich ein Partikelfilter – oder lediglich ein Ionisator beziehungsweise Ozon-Generator?
  • Gibt es Angaben zu Wartung, Filterwechsel und Dauerbetrieb?

Fehlen solche Informationen, ist Zurückhaltung angebracht. Gerade bei Geräten für Wohnräume und Schulen sollte die Umsetzung nicht von einzelnen Werbesätzen abhängen. Ein praktikables Schutzkonzept muss auch dann verständlich bleiben, wenn mehrere Personen dafür verantwortlich sind und der Betrieb über viele Stunden läuft.

Für die persönliche Wohnung gilt dasselbe wie für größere Innenräume: Ozon ist kein harmloser Duftstoff und kein allgemeines Synonym für saubere Luft. Wer Viren und Aerosole reduzieren möchte, sollte zuerst die Luftwechselbedingungen verbessern, Räume angemessen lüften und bei Bedarf auf eine passende mechanische Filterung setzen.

Fazit: Ozon ist kein sicherer Virenschutz für bewohnte Räume

Ozon kann aufgrund seiner oxidierenden Eigenschaften Viren und Bakterien inaktivieren. Daraus folgt jedoch nicht, dass Ozon-Luftreiniger im Alltag eine geeignete Methode zur Raumluftdesinfektion sind. Für eine verlässliche Wirkung können Konzentrationen und Einwirkzeiten erforderlich sein, die mit dem Schutz von Menschen und Tieren nicht vereinbar sind.

Hinzu kommen mögliche Reizungen der Atemwege, Augen und Lunge sowie die Bildung unerwünschter Nebenprodukte durch Reaktionen mit Stoffen der Innenraumluft. Das Umweltbundesamt und die Verbraucherzentrale raten deshalb von ozonerzeugenden Luftreinigern in bewohnten Räumen ab.

Für den laufenden Infektionsschutz sind Lüften und geeignete HEPA-Luftreiniger die praktikablere Grundlage. Sie lassen sich in ein Schutzkonzept integrieren, während Menschen den Raum nutzen, und erzeugen nicht absichtlich ein reizendes Gas. Ozon kann allenfalls in streng kontrollierten, unbewohnten Räumen eine Rolle spielen – nicht als unkomplizierte Dauerlösung für Wohnung, Klassenzimmer oder Wartebereich.

Häufige Fragen

Warum sind Ozon-Luftreiniger in bewohnten Räumen gefährlich?
Ozon ist ein reaktives Gas, das nicht zwischen Viren und menschlichem Gewebe unterscheidet. Es kann Augen und Atemwege reizen, Husten verursachen, die Lungenfunktion beeinträchtigen oder Asthmaanfälle auslösen.
Kann ich Ozon-Luftreiniger zur dauerhaften Virenbekämpfung nutzen?
Nein, das Umweltbundesamt und die EPA raten vom Einsatz in bewohnten Räumen ab. Eine verlässliche Vireninaktivierung erfordert oft Konzentrationen, die für anwesende Personen gesundheitlich nicht vertretbar sind.
Ist der Geruch von Ozon ein sicheres Anzeichen für eine zu hohe Belastung?
Nein, der Geruch ist kein verlässliches Messinstrument. Die Wahrnehmung ist individuell verschieden und kann sich bei längerer Exposition verändern, zudem können auch nach dem Verschwinden des Geruchs noch Reaktionsprodukte in der Luft vorhanden sein.
Was ist der Unterschied zwischen einem Ozon-Luftreiniger und einem HEPA-Filter?
Ein HEPA-Gerät filtert Partikel mechanisch aus der Luft und ist für den Betrieb in belegten Räumen geeignet. Ein Ozon-Generator hingegen gibt ein reaktives Gas ab, das chemische Prozesse in der Raumluft auslöst.
Dürfen Ozon-Geräte überhaupt zur Desinfektion verwendet werden?
Eine Ozon-Behandlung ist nur in speziellen, unbewohnten und abgeschlossenen Räumen möglich. Dabei müssen Menschen, Tiere und Pflanzen den Raum verlassen und dieser muss nach der Behandlung kontrolliert gelüftet werden.